Gedenkorte lesbisch-schwuler Geschichte in Hamburg
  - Erinnerungsmale im öffentlichen Raum -
 
Mary Pünjer (1904 - 1942)
eine "sehr aktive ('kesse') Lesbierin“

Als Jüdin Mary Erna Kümmermann kommt Mary Pünjer am 24. August 1904 in damals preußischen Wandsbek zur Welt. Sie lebt und arbeitet sie im elterlichen Modegeschäft in der Königstraße 94. Dort wohnt auch die Familie des Buchmachers Fritz Pünjer, ihres späteren Ehemannes.

Neben ihrem bürgerlichen Leben geht Mary Pünjer auch ihren lesbischen Bedürfnissen nach. Dies gefährdet sie in der NS-Zeit zusätzlich zu ihrer Stigmatisierung als Frau jüdischer Abstammung. Datum und Umstände ihrer Verhaftung, wahrscheinlich anlässlich einer Razzia in einem „einschlägigen“ Lokal, sind nicht bekannt, jedoch wird sie am 12.Oktober 1940 mit der Haftnummer 4941 in das Frauen-KZ Ravensbrück eingeliefert. Als Haftgrund ist "asozial“ und "lesbisch“ vermerkt.

Das KZ Ravensbrück überstellt sie vom 30. November 1940 bis 14. März 1941 an das für "Rasseschandesachen“ zuständige 23. Kriminalkommissariat in Hamburg.

Zurück im KZ Ravensbrück wird für Pünjer eine Begegnung mit dem Mordarzt Friedrich Mennecke, der um die Jahreswende 1941/42 in Ravensbrück im Rahmen der Aktion "14f13“ "Lebensunwerte“ selektierte, zum Todesurteil. Sie ist vermutlich Anfang 1942 in Bernburg bei Dessau in einer der zu Tötungsfabriken umfunktionierten Heil- und Pflegeanstalten zusammen mit etwa 1400 anderen Frauen durch Gas ermordet worden. Der SS-Obersturmbannführer Mennecke bezeichnet sie als "sehr aktive ('kesse') Lesbierin, die fortgesetzt 'lesbische Lokale'" aufsucht und "im Lokal Zärtlichkeiten" austauscht.

Als offizielles Todesdatum teilt das KZ Ravensbrück den Verwandten den 28. Mai1942 im KZ Ravensbrück mit der Todesursache "Herzversagen“ mit.

Mary Pünjer ist bisher die einzige homosexuelle Frau aus Hamburg, deren staatliche Ermordung in der NS-Zeit nachgewiesen werden konnte.
 

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