Gedenkorte lesbisch-schwuler Geschichte in Hamburg
  - Erinnerungsmale im öffentlichen Raum -
 
Rudolf Müller (1913 - 1944)
Trotz "freiwilliger Entmannung" im KZ Neuengamme

Rudolf Müller ist am 2. April 1913 in Dresden geboren worden. Nach seiner Lehre zum Gärtner geht er im Oktober 1931 auf Wanderschaft. Nach mehreren Verurteilungen wegen Bettelns und Landstreichens zwischen 1931 und 1934 wird er 1935 in das Arbeitshaus nach Tapiau in Ostpreußen eingewiesen. Trotz besonders guter gärtnerischer Arbeitsleistungen und einer Förderung in der dortigen Gärtnerlehranstalt, führt der Verdacht homosexuell veranlagt zu sein, zum Rauswurf.

Dadurch gerät der arbeitslose Müller "auf die schiefe Bahn“, wird zudem 1937 wegen versuchter "Unzucht mit einem Manne unter 21 Jahren“ in Leipzig zu 7 Monaten Gefängnis verurteilt.

Seit 1939 versucht er in Hamburg Arbeit zu finden, die er immer wieder abbricht, um schließlich als Strichjunge ein ärmliches Leben zu führen. Im November 1939 wird er in Lüneburg nach einem Diebstahl verhaftet, ein Mitverhafteter gibt seine homosexuelle Veranlagung und Betätigung als Stricher preis.

Nach Verhören gibt er 22 homosexuelle Kontakte zu und wird 1940 vom Hamburger Landgericht nach § 175 zu 4 Jahren Gefängnis verurteilt, die er vor allem in der Haftanstalt Wolfenbüttel verbüßt. Dort stellt er im Juli 1942 einen Antrag auf "freiwillige Entmannung“, die im Oktober in Hamburg durchgeführt wird.

Trotz seiner Kastration wird er nach der Haft, die immer wieder durch Sonderarrest verlängert wird, nach dem 20. Februar 1944 in das KZ Neuengamme verschleppt. Dort ist er bereits am 22. März 1944 als verstorben verzeichnet.
 

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